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Fischschutzvereins  

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Pressemitteilung des Fischschutzverein Siegburg 1910 e.V.:

 

Von Fischen und schwarzen Vögeln

Bald schon kommt der Frühling, wenn es wieder heißt: „Alle Vögel sind schon da.“ Und wir freuen uns über unsere zahlreichen heimischen Singvögel, die aus ihren Winterquartieren zurückkehren. Über einen Vogel freuen sich Angelfischer und Fischschützer jedoch nicht, den Kormoran. Der Vogel des Jahres 2010 hat es nämlich in sich. Lange hat man den Wunsch der Anglerschaft, den Kormoran zu vergrämen oder seine Ausbreitung einzudämmen, nur müde belächelt. Hielt man die vorgebrachten Schäden des Vogels an der Fischfauna für übertrieben und vorgeschoben. Doch so egoistisch, wie man es den Fischfreunden oftmals vorwarf, sind sie in Wahrheit gar nicht. Es geht schon lange nicht mehr darum, den schwarzen Vögeln ihren Anteil an den Fischbeständen in unseren Gewässern streitig zu machen. Der Vogel hat sich längst als tatsächliche Gefahr für unsere Fischarten entpuppt, von denen sich übrigens auch einige auf der „Roten Liste“ befinden. Lange hielt sich die Mär, dass die Vögel weiterziehen würden, wenn das Nahrungsangebot sinkt und dass es genügte natürliche Strukturen mit Deckungsangebot in den Gewässern zu schaffen, um dem Vogel das Jagen zu erschweren. Doch all diese vermeintlichen, natürlichen Regulierungsmechanismen stellen sich nun in neueren Untersuchungen(*1) als falsch heraus. Der Vogel ist tatsächlich viel anpassungsfähiger als es ihm seine Protegés vom Vogelschutz offensichtlich zutrauen. Jedenfalls dezimiert er die heimischen Fischbestände in strukturarmen Gewässern ebenso stark wie in strukturreichen, nicht einmal geschlossene Baumkronen an Bächen bieten einen wirksamen Schutz. Und auch die klassische Räuber-Beute- Beziehung versagt in Sachen Kormoran. Sinkt das Nahrungsangebot, weil die Vögel die Fischpopulationen stark reduziert haben, dann zieht nur ein Teil der Tauchjäger weiter. Die verbleibenden Vögel können dann einzelne Fischarten durchaus zum Aussterben bringen, weil sich die Fischbestände eben nicht mehr erholen können. Man kann also im Falle des Kormorans schon von einer „invasiven“ Art sprechen. Dass der Kormoran ein Teil unserer heimischen Tierwelt sei, scheint ebenso aus dem Reich der Märchen und Fabeln zu stammen. So haben die besagten Forscher(*1) selbst in den ältesten Aufzeichnungen keine Hinweise darauf finden können, dass es an unseren Flüssen jemals dauerhaft angesiedelte Kormoranpopulationen gab. Kein Märchen dagegen ist nachweislich, dass die Kormorane durch das bevorzugte Vertilgen der algenfressenden Arten wie zum Beispiel der heimischen Nase, genau die Fischarten vernichten, die für das ökologische Gleichgewicht in den Fließgewässern so wichtig sind. Die Flüsse drohen zu eutrophieren, weil ein Fehlen dieser Fischarten zu einem massenhaften Wachstum von Algen führt. So bereits geschehen an der Nister in Rheinland-Pfalz. Das wiederum verringert die Gewässergüte und bedroht alle höheren, anspruchsvolleren Arten wie die Salmoniden (Lachs, Forellen, Äschen). Im Falle unserer Sieg, die mittlerweile das zentrale Modellgewässer des Wanderfischprogramms Nordrhein-Westfalens ist und an der ehrgeizige Projekte wie die Wiedereinbürgerung des Atlantischen Lachses durchgeführt werden, kann die Bedrohung durch den Kormoran alle bisherigen Anstrengungen und millionenschwere Mitteleinsätze zunichte machen. Es geht also um weit mehr, als einen Konkurrenten der Angler seine berechtigte Existenz abzusprechen, es geht um nicht weniger als um die Rettung unserer heimischen Gewässer und ihrer Fischbestände.

 

(*1) WRRL – Qualitätsindikator Fischfauna und Kormoranfraßdruck – Wenn trophische Störung Strukturgüte schlägt. KW Korrespondenz Wasserwirtschaft, Dr. Jörg Schneider, Dipl.-Biol. Lothar Jörgensen, MSc.-Biol. Florian Krau, Manfred Fetthauer